Sind das noch Warnstreiks?

Aufgrund der aktuellen Tarifverhandlungen in der Luftsicherheit, fragen sich nun einige unserer Mitglieder: ist das überhaupt noch ein Warnstreik – und soll ich mich daran beteiligen?

Um die Frage zu beantworten ist es sinnvoll etwas in die Materie einzutauchen.

Ver.di hat als verhandlungsführende Gewerkschaft in Berlin bereits zum „Warnstreik“ aufgerufen und das mit dem Angebot der Arbeitgeber von lediglich 2% begründet. Diese Aussage ist jedoch nur zum Teil zutreffend.

Denn ver.di verlangt vom Arbeitgeberverband das Lohnniveau bundesweit anzugleichen, was zwangsläufig zu gefühlten Ungerechtigkeiten führen wird, denn das bedeutet, dass dadurch die Lohnerhöhungen in einigen Bundesländern niedriger ausfallen als in anderen.

Das Angebot der Arbeitgeber sieht für §5 LuftSiG eine Spanne von 2 – 5,4% vor um diesen Ausgleich zu erreichen. Die 2% beziehen sich auf Brandenburg, für Hamburg liegt das Angebot bei 3% und für Thüringen bei 5,4%. Bei den Maßnahmen gem. §8 LuftSiG reicht diese Spanne von 2% für Bayern bis 6,4% für Thüringen.

Diese Unterschiede waren absehbar und von der Gewerkschaft ver.di offensichtlich auch gewollt. Nur so funktioniert Angleichung.

Dass sich die Gewerkschaft ver.di nun das Bundesland mit dem niedrigsten Ergebnis als erstes heraussuchte um Warnstreiks zu begründen ist weder seriös noch zielführend, im Gegenteil es beinhaltet sogar die Gefahr den Betriebsfrieden in erheblichen Maße zu stören!

Wir empfehlen unseren Mitgliedern in Hamburg daher sich unter diesen Umständen vorerst NICHT an Warnstreiks zu beteiligen!

Streik ist manchmal notwendig, aber er ist immer das letzte Mittel wenn alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft wurden, er ist kein Werbegag! Zumal Streiks bei mangelndem Erfolg den Verhandlungen sogar Schaden können, wenn sie zum Beispiel schon bei Kleinigkeiten eingesetzt werden und sie nur erreichen was auch ohne Streik zu erreichen gewesen wäre. Dies führt, wie Ver.di schon mehrfach erleben musste zu Frustration und Abwanderungen!

Höhere Löhne sind gerechtfertigt, keine Frage, doch der Weg dahin darf nicht mehr Verschleiß als Nutzen bringen.

Der Arbeitgeberverband hat erklärt weiter verhandeln zu wollen, ein Abbruch der Verhandlungen kann daher auch von unserer Seite nur als sinnloses Säbelrasseln zu Lasten der Passagiere und zum erheblichen Schaden der deutschen Wirtschaft, davon aber leben wir letztlich alle!

Ver.di nutzt die Gutgläubigkeit seiner Mitglieder aus um Werbung in eigener Sache zu machen, dabei schert sich ver.di offensichtlich nicht im Mindesten darum was das alles noch bewirkt. Abgesehen vom volkswirtschaftlichen Schaden könnte so am Ende ein weit geringeres Ergebnis stehen als es möglich wäre, davon sind wir überzeugt!

Streik, JA, aber er muss gerechtfertigt sein und uns auf dem Weg zu einem guten Abschluss weiter bringen. Streiks werden in Urabstimmungen von Mitgliedern entschieden und nicht per Dekret von einzelnen Funktionären. Warnstreiks sind nicht ohne Grund meist kurz, denn sie sollen den Arbeitgebern die Entschlossenheit die Fähigkeit der Arbeitnehmer demonstrieren und damit das Risiko eines bevorstehenden Streiks verdeutlichen! Streiks die als Warnstreiks daher kommen um eine Urabstimmung zu umgehen, sowie Streiks aus PR Gründen lehnen wir entschieden ab!

Wir sind daher der Meinung das ver.di in erheblichen Maße Recht beugt, ein Streik von 24 Stunden Dauer ist in unseren Augen kein Warnstreik mehr. ver.di sollte den Mut haben einen echten Streik zu führen und diesen mittels Urabstimmung zu legitimieren und nicht den Warnstreik bis zur Unkenntlichkeit zu missbrauchen.

Robert Buck
Leiter Betriebsgruppe §5HAM / DGLVS

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