Die Reaktionen der Medien auf DGLVS Gründung

Die Medien haben sehr schnell auf die Gründung unserer neuen Gewerkschaft reagiert. Das ist zum einen schön, weil es zeigt das man einen Nerv getroffen hat, zum anderen aber auch ein wenig unschön, weil man sich mit so vielen Halbwahrheiten herumärgern muss.

NDR-Info

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Keine Rechtspopulisten, aber wen schert’s

Interessant ist, dass Christian Waldheim (der gar kein Mitglied der DGLVS ist) und ich, im Februar, dem NDR ein Interview zum Thema Gewerkschaften und die AfD (AidA – Arbeitnehmer in der AfD) gegeben haben. Zu diesem Zeitpunkt war die Gründung der DGLVS zwar in Arbeit, aber noch nicht vollzogen und da es sich auch um keine AfD bzw. AidA-Gründung handelt auch nicht Thema, zudem redet man nicht über ungelegte Eier. Dennoch fand die DGLVS ihren Weg in den Bericht von NDR Info. Dort wurde aus der Tatsache das sich eine neue unabhängige Gewerkschaft gegründet hat, im Gründungsvorstand der DGLVS sind zwei der sieben Mitglieder in der AfD, im Handumdrehen eine AfD bzw. AfD-nahe Gewerkschaft. Im Interview ging es dann auch um die Position der Arbeitnehmer in der AfD zu den Betriebsratswahlen und ob AidA daran teilnehmen würde. Die Antwort verkürzt: Nein! Und das stimmt auch, denn Betriebsratswahlen haben mit Parteipolitik nichts zu tun. Betriebsräte müssen jeden vertreten, völlig egal welche politischen Ansichten dieser hat! Tatsächlich ist es doch eher so, dass in Betriebsräten, wenn dann Linke Parteipolitik nach Außen getragen wird, oder liege ich da völlig verkehrt? Bei den Gewerkschaften ist das zumindest so, sonst würden dort wohl kaum Demonstrationen, von Mitgliedsbeiträgen, gegen Parteien organisiert die nicht ins ideologische Weltbild passen.

In der Welt wurde sich erst gar nicht lange mit Fakten aufgehalten, sondern nur mit Informationen aus zweiter Hand operiert, so kam man dann zu der Schlagzeile: „Wie die AfD neuerdings im Arbeitskampf mitmischt.“

Die Welt

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Als AfD Mitglied sage ich „Danke für die Blumen“, als Gewerkschafter empfehle ich „lieber gar nicht schreiben, als falsch schreiben“ 😉 Denn Fakt ist, wie gesagt, wir sind keine AfD Gewerkschaft, wir demonstrieren lediglich nicht vor Parteitagen der AfD, weil wir der Meinung sind, dass Arbeitnehmerinteressen nicht durch Aufmärsche vor Parteitagen, sondern in den Betrieben durchgesetzt werden. Doch damit tun sich die Gewerkschaften, gerade an den Flughäfen zur Zeit etwas schwer.

Also doch Lügenpresse?

Mir kommt der Begriff der Lügenpresse nicht über die Lippen, weil ich ihn einfach für unzutreffend halte, Lückenpresse trifft es allerdings leider allzu oft. So auch in der Berichterstattung des NDR. Das Interview war eigentlich sehr angenehm, natürlich war es klar das nicht alles von rund einer Stunde in zwanzig Minuten gepresst werden könnte, in denen zudem auch noch andere zu Wort kommen, das aber Sätze völlig aus dem Zusammenhang gerissen werden und klare Abgrenzungen zu Rechtsextremismus und Ausländerfeindlichkeit nicht berücksichtigt werden, dass ist dann eben doch Lückenpresse, die offenbar schon vorher wusste was sie senden wollte – Schade!

Der Mindestlohn müsste oberhalb von €14,50 liegen…

Thema Mindestlohn, das hier auch noch an anderer Stelle thematisiert werden wird. Die Aussage zum Mindestlohn, wie gesagt während des Interviews gab es die Gewerkschaft noch nicht und es war auch nicht von ihr die Rede. Die Frage richtete sich daher an mich als Mitglied der Arbeitnehmer in der AfD. Meine Antwort: „Die Gewerkschaften und die SPD feiern den Mindestlohn als riesengroßen Fortschritt.
Wenn man sich das aber mal in der Realität anguckt, dann kann von einem Mindestlohn niemand eine Familie ernähren und eine zuschussfreie Rente kann er auch nicht erwirtschaften. Im Grunde müssten sich die Gewerkschaften schämen, dass sie diesen Mindestlohn durchgesetzt haben. Wenn man das realistisch betrachtet, dann müsste ein Mindestlohn, von dem man leben will, der müsste oberhalb von 14 Euro 50 sein.“ Dort endete das Zitat, leider, denn was danach kommt ist das eigentlich Interessante. Ich sagte, dass ein Mindestlohn von €14,50 natürlich völlig unrealistisch ist! Schon hier zeigt sich das die Antwort der DGB-Vertreterin nur hilfloses und ideenloses Gerede ist. So sagte  Katja Karger, Vorsitzende des DGB in Hamburg: „Natürlich können wir sagen, 12 Euro, 15 Euro oder 20 Euro wären total super. Aber wenn dahinter nicht irgendeine Idee steht, wie man da hinkommen kann, ist das total inhaltsleer, weil es undurchführbar ist.“ Aber genau das ist der Punkt und zeigt die Ideenlosigkeit der Gewerkschaft und die Idee die bei uns dahinter steht, den wir haben eine Ahnung wie man dahin kommt. Allerdings geht das nicht mit der Gießkanne und sozialistischer Gleichmacherei, der Ansatz ist überall ein anderer.

Fachkraft für Schutz und Sicherheit.
Viele werden berufen doch nur wenige beschäftigt!

Im Sicherheitsgewerbe zum Beispiel über die Festlegung des Ausbildungsberufes der Fachkraft für Schutz und Sicherheit IHK und der Streichung der Seiteneinstiegsmöglichkeiten ins Sicherheitsgewerbe. Es werden Heerscharen von Fachkräften für Schutz und Sicherheit ausgebildet, doch sie werden kaum übernommen bzw. als Beruf nachgefragt. In der Luftsicherheit, einem der sensibelsten Bereiche ist es sogar noch schlimmer, da gibt es nur einen, wenn auch gut bezahlten Anlernberuf. Doch was wenn man arbeitslos wird? Dann steht man vor dem nichts, weil die meisten keine qualifizierte Grundausbildung im Sicherheitsgewerbe haben. Jahrelang habe ich bei ver.di das Ziel verfolgt diese Situation zu ändern – zehn lange Jahre habe ich auf ver.di gesetzt – erfolglos! Im Sicherheitsgewerbe müsste niemand mehr für Mindestlohn arbeiten, weder in Ost noch in West!

Alles AfD, oder was?

Auch das ist ein Grund für die Gründung der DGLVS. Parteipolitische Erwägungen haben dabei keinerlei Rolle gespielt. Das erste Mal habe ich bereits 2006 über die Gründung einer neuen Gewerkschaft nachgedacht, da gab es die AfD noch gar nicht! Im Frühjahr 2016 haben wir dann mit den Planungen begonnen. Also vor dem Kongress in Leipzig, an dem weder ich noch Christian Waldheim von AidA – Arbeitnehmer in der AfD teilgenommen haben. Hier einen Zusammenhang zu konstruieren ist also geradezu an den Haaren herbei gezogen. Soll man jetzt darüber wütend werden und sich aufregen? Das lohnt die ganze Mühe nicht, wir Gewerkschafter wissen wo wir stehen: Auf der Seite der Arbeitnehmer! Parteipolitik machen die anderen, wir wollen nur Verbesserungen bei der Arbeit. Unsere Verbündeten suchen wir uns selber und lassen uns nicht aufhetzen, wir hetzen auch nicht gegen andere, nicht mal gegen ver.di, aber wir kritisieren.

Wir fangen gerade erst an!

In der Gewerkschaftsarbeit legen wir den Finger in die Wunde. Wo sind die Ideen der großen Gewerkschaften? Mindestlohn! – Ernsthaft? Wir setzen dagegen auf Qualifikation! Wer qualifiziert ist der verdient auch mehr, wir brauchen keine Jobs, sondern Arbeit! Warum zum Beispiel wurde die Meisterpflicht immer weiter zurück geschraubt? Welche Gewerkschaft setzt sich dafür ein? Doch auch dazu an anderer Stelle mehr.

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